Mit Thinking Machine wird der Computer zum psychedelischen Schach-Partner.

Illustration von mm

In Java programmiert und über jeden Browser abrufbar, verwandelt das Programm die Spiel-Analyse in ein leuchtendes Netzwerk aus möglichen Zügen. Dabei kommt es ganz ohne “Türken” aus.

Der Reiz des Spiels ist schnell erklärt: Alle möglichen Züge des Programms werden mit Hilfe von grünen und gelben Neon-Linien illustriert. Diese reichen von der aktuellen bis zur zukünftigen Position der jeweiligen Spielfigur. Damit das Ganze nicht im Farbengewirr untergeht, werden “wahrscheinlichere” Züge mit dickeren Linien ausgestattet.

Die einzige Voraussetzung, die der Spieler für Thinking Machine mitbringen muss, ist das kostenlose Java-Plugin. Wie in der Stellungnahme der Macher bereits erwähnt wird, könnte Schach-Anfängern die abstrakte Gestaltung der Figuren Probleme machen. Turnier-Spieler hingegen dürften mit dem Programm keine Schwierigkeiten haben. Wer erst mal üben will oder ein “saubereres” Schachfeld bevorzugt, ist mit Free Chess besser beraten.

Schachautomaten, die Vorläufer der heutigen Schach-Programme, gab es übrigens schon so früh wie 1796. Damals stellte der österreichische Mechaniker Wolfgang von Kempelen seinen “Schachtürken” vor. Die Holzkiste schien selbständig Züge zu berechnen, und sie dann mittels einer in türkischer Tracht gekleideten Puppe zu bewegen. In Wirklichkeit lag im Herzen des “Schachtürken” ein selbstständiger Mensch verborgen.

Im 20. Jahrhundert gab es dann bereits Deep Blue, der 200,000,000 Positionen pro Sekunde berechnen konnte, ohne einen Menschen in seiner Hardware versteckt zu halten. Allerdings scheint selbst das nicht eindeutig bewiesen: Als Garri Kasparow 1997 gegen den Supercomputer von IBM verlor, sprach er davon Intelligenz und Kreativität in dessen Züge gesehen zu haben. Er hielt den IBM-Entwicklern vor, der Maschine unter die Arme gegriffen zu haben. Tatsächlich ließen die Regeln eine Modifizierung der Strategie Deep Blues zwischen den Spielen zu. So konnte das Programm an die Strategie Kasparows angepasst werden, es kann also nur von Teil-Autonomie gesprochen werden.

Wer mehr Lust auf Schach bekommen hat und dem Java-Spielchen nicht genügen, sollte mal einen Blick auf Fritz werfen. Dieses Schach-Programm für Windows bietet alle Schikanen von historischen Spielen, Trainern und Online-Multi-Player bis zur Auswahl verschiedener Engines.